|
Altaussee verbinde ich eigentlich nur mit Fellina. Wir waren das erste Mal da nachdem ich Johan hier in München kennengelernt habe und Fellina an diesem Wochenende einfach nur sensationell war. Seine lebhafte und quirlige Art, und das Tempo, die Markierungen, das lag ihr. Ich kann mich erinnern, dass wir über einen Riesenholzstoß arbeiteten, da sie das gar nicht kannte stand sie auf einmal wie eine Gemse auf dem Stapel und guckte ganz frech runter – man beachte, diese Stöße waren mindestens 3-4 m hoch. Also war der Wunsch nach Altaussee zu fahren geweckt und gehört habe ich ja von anderen auch schon davon. Ich habe Altaussee mehrere Jahre hintereinander nur in strahlender frühsommerlicher oder herbstlicher Schönheit erlebt. 
Am ersten Abend angekommen bezogen wir unser Zimmer und saßen noch den restlichen Abend bei höchst amüsanten Gesprächen mit den Trainern. Ich bin mit ihr bis auf ein Mal immer zu Fuß zur Seewiese gelaufen – Für Fellina war die Fahrt mit dem Dampfer ein echte Plage. Ihre Unsicherheit machte ihr in solchen Situationen arg zu schaffen. Sie hat es ertragen für mich, blieb brav unter meinen Füßen liegen, aber das sollte sie nicht ertragen, wenn es nicht sein muss. Also machten war ab dem Tag immer den Spaziergang zur Seewiese. 
Einer der vielen Trainer sagte mir mal, man müsse einen Hund der nicht so viel Trieb habe, dann an der Leine lassen, dass er seine ganze Energie nicht schon vor dem Training verbraucht. Soll ich euch was sagen? Es war einfach egal, der Weg dorthin war einfach jedes Mal traumhaft schön. Sie kannte bereits nach dem ersten Fußmarsch jeden einzelnen Zugang zum See und war in ihrem Element – mein kleiner Flußdampfer. Abgesehen davon, dass ich euch hier mit dem einen oder anderen Blick auf den Dachsteingletscher den Mund wässrig mache – von den Kuchen, Torten und sonstigen Leckereien die uns der Hüttenwirt sonst noch so kredenzte. Der Altaussee ist immer ein Ausflug wert. Ich habe mir die Zeit bedauerlicherweise in den letzten 3 Jahren nicht mehr genommen. Gute Vorsätze sollte man nur äußern wenn man sie in die Tat umsetzt, daher bleib ich zu dem Thema still. Das Training war so aufgebaut, dass man 4x am Tag den Trainer wechselte. Da alles immer sauber und schlüssig aufgebaut war, habe ich eine Menge gelernt. 
Aber was unglaublich war, war das was meine Fellina da so zeigte – die lief wahrlich zu Höchstleitungen auf – nicht nur im Laufe der einzelnen Übungen und Stationen sondern auch was ihr Durchhaltevermögen betraf. Wenn alle anderen inkl. mir selbst schon mit ihren Kräften am Ende waren, wollte sie noch immer nicht aufhören. Ich konnte aufgrund meiner mangelnden Fähigkeiten ihr Talent auf Prüfungen nie wirklich zeigen, bzw. war sie oft von einem Richter so beeindruckt, dass sie auf dem Rückweg auswich, das erzähle ich aber separat. Aber Training mit Fellina das war Spaß und Freude pur. Als wir einmal von einer Station zur nächsten marschierten trat sie mit einer Pfote in ein Loch, da sie mit reichlich Tempo unterwegs war überschlug sie sich. Mir blieb das Herz stehen, sie stand auf, schüttelte sich und stand im nächsten Moment wieder im See. 
Aber das allerschönste für sie waren die Aufgaben am Wasser, dabei war dieser Hund höchst selten ungehorsam – Einspringen – Jammern, Tauschen, oder was uns sonst so alles an vermeintlichen Fehlern begegnet, dieser Hund hat sie einfach nicht gemacht – sie wollte einzig und alleine, dass man sich mit ihr beschäftigte und schenkte mir dafür 100% ihrer Aufmerksamkeit. Durch meine Unfähigkeit, mußte sie eine Riesenmenge an Ausbildungsfehlern ertragen, aber es hat ihr nie die Freude genommen – und Altaussee, hat mir geholfen alte Fehler nicht zu wiederholen und in der Zukunft weniger Fehler zu machen. Aber es wird dort nie mehr so sein wie mit ihr.
|